Foto: Podiumsdiskussion beim Forum Milch NRW in Schwerte. Von links: Moderator Patrick Liste, Detlef Latka, Klaus-Peter Lucht, Dr. Stefan Kroll und Oberst a. D. Ralph Thiele. © LV Milch NRW

Forum Milch NRW 2026: Versorgungssicherheit in Krisenzeiten

Wie kann die Milchwirtschaft ihre Widerstandsfähigkeit stärken und eine verlässliche Versorgung gewährleisten? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 19. Forums Milch NRW am 9. September 2026 in Schwerte.

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen auf Einladung der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen e. V. (LV Milch NRW) in der Rohrmeisterei zusammen. Unter dem Leitgedanken „Resilienz aus dem Stall und von der Weide“ diskutierten sie, wie die Branche angesichts zunehmender Krisen und Herausforderungen handlungsfähig bleiben kann.
Hans Stöcker, Rheinischer Vorsitzender der LV Milch NRW, betonte zum Auftakt die besondere Stärke ländlicher Räume. Intakte regionale Strukturen könnten gerade dann eine verlässliche Versorgung mit Lebensmitteln sichern, wenn globale Lieferketten unterbrochen werden. Sein Appell: „In den aktuell unsicheren Zeiten sollten wir die Stärke der ländlichen Räume und der mutig anpackenden Familienunternehmen in der Landwirtschaft neu entdecken und weiterentwickeln.“
Staatssekretär Dr. Martin Berges vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW erläuterte, wie die Landesregierung die Branche bei der Bewältigung aktueller und langfristiger Anforderungen unterstützt. „Unsere heimische Milchwirtschaft ist das Rückgrat des ländlichen Raums und das Fundament der Versorgungssicherheit in Nordrhein-Westfalen. Als Landesregierung stehen wir fest an der Seite unserer Betriebe, um krisenfeste Strukturen zu stärken und verlässliche Zukunftsperspektiven zu sichern.“
Welche Gefahren die Lebensmittelversorgung bedrohen können, beschrieb Oberst a. D. Ralph Thiele, Präsident von EuroDefense Deutschland e. V. und Vorsitzender der Politisch-Militärischen Gesellschaft e. V.: „Die nächste Ernährungskrise kann hybrid entstehen. Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation oder Störungen kritischer Infrastruktur können unsere Versorgung gefährden, ohne dass ein Schuss fällt. Gerade die Milchwirtschaft zeigt diese Verwundbarkeit. Zugleich eignet sie sich hervorragend als Referenzmodell für resiliente Lebensmittelversorgung.“
Dr. Stefan Kroll vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung hob die gemeinsame Verantwortung von Staat und Gesellschaft hervor: „Äußere und innere Sicherheit lassen sich heute nicht mehr trennen. Ob hybride Bedrohungen oder Klimakrisen – sie verlangen einen resilienteren Staat und eine Bevölkerung, die besser auf Risiken vorbereitet ist. Ernährungs- und Versorgungssicherheit ist dafür ein Schlüsselfeld: Hier können Staat und Gesellschaft gemeinsam vorsorgen, Menschen befähigen und vor Krisen schützen.“
Detlef Latka, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes e. V. und Geschäftsführer der Hochwald Foods GmbH, verwies auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Ob Coronapandemie, kriegsbedingte Energieengpässe oder Tierseuchen: Die Milchwirtschaft habe gezeigt, dass sie schnell und wirksam auf Krisen reagieren könne. „Viele Molkereiunternehmen in Deutschland gehören zur kritischen Infrastruktur, d.h. sie unterliegen strengen gesetzlichen Pflichten, um sich gegen Cyberangriffe, Sabotage, Naturkatastrophen oder Stromausfälle zu wappnen.“
Für langfristig verlässliche Rahmenbedingungen sprach sich Klaus-Peter Lucht aus, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein e. V. und Vorsitzender der Milcherzeuger-Vereinigung Schleswig-Holstein e. V.: „Krisen sind kein neues Phänomen. Sie gab es immer und wird es immer geben. Landwirtschaft denkt in Dekaden und braucht daher langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Die Politik ist also gefordert, diese zu schaffen, ohne die Betriebe mit kleinteiligen Regelungen und Bürokratie zu überfrachten.“
In der anschließenden Diskussion unter der Moderation des Chefredakteurs des Wochenblatts für Landwirtschaft und Landleben vertieften die Gäste gemeinsam mit den Referenten die angesprochenen Themen. Das Forum Milch NRW bot damit erneut Gelegenheit zum Austausch zwischen Landwirtschaft, Milchverarbeitung, Politik und Wissenschaft.

Foto: Der „runde Tisch“ der Milchwirtschaft beim Forum Milch NRW in Schwerte. Von links: Dr. Rudolf Schmidt (Geschäftsführer der LV Milch NRW), Oberst a. D. Ralph Thiele (StratByrd Consulting), Dr. Stefan Kroll (Leiter Wissenschaftskommunikation am Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung), Detlef Latka (Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes und Geschäftsführer von Hochwald Foods), Klaus-Peter Lucht (Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vorsitzender der Milcherzeuger-Vereinigung Schleswig-Holstein), Staatssekretär Dr. Martin Berges (Landwirtschaftsministerium NRW), Patrik Liste (Chefredakteur des Wochenblatts für Landwirtschaft und Landleben), Benedikt Langemeyer und Hans Stöcker (geschäftsführender Vorstand der LV Milch NRW). © LV Milch NRW
Foto: Der „runde Tisch“ der Milchwirtschaft beim Forum Milch NRW in Schwerte. Von links: Dr. Rudolf Schmidt (Geschäftsführer der LV Milch NRW), Oberst a. D. Ralph Thiele (StratByrd Consulting), Dr. Stefan Kroll (Leiter Wissenschaftskommunikation am Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung), Detlef Latka (Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes und Geschäftsführer von Hochwald Foods), Klaus-Peter Lucht (Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vorsitzender der Milcherzeuger-Vereinigung Schleswig-Holstein), Staatssekretär Dr. Martin Berges (Landwirtschaftsministerium NRW), Patrik Liste (Chefredakteur des Wochenblatts für Landwirtschaft und Landleben), Benedikt Langemeyer und Hans Stöcker (geschäftsführender Vorstand der LV Milch NRW). © LV Milch NRW
Foto: Forum Milch NRW © LV Milch NRW
Foto: Forum Milch NRW © LV Milch NRW

Quelle und Beitragsfoto: Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW

Newsletter abonnieren

Möchten Sie den Newsletter von „NRW is(s)t gut“ erhalten? Dann senden Sie uns bitte mit nachstehendem Formular Ihre Kontaktangaben:
DSGVO-Erklärung

Für den Versand unserer Newsletter nutzen wir rapidmail. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie zu, dass die eingegebenen Daten an rapidmail übermittelt werden. Beachten Sie bitte auch die AGB und Datenschutzbestimmungen .